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„Die Pflegelüge“: Warum die Pflegeversicherung keine optimale, individuelle Versorgung garantiert

„Derweil wurschtelt der Pflegehaushalt vor sich hin“

Wer glaubt, mit der Pflegeversicherung für den Fall des Pflegefalles abgesichert zu sein, wird von Christine Schmidt aufgeklärt: Unterhaltsam und für jedermann verständlich verweist die Berliner examinierte Krankenschwester, Pflegeberaterin und zertifizierte Pflegesachverständige darauf, dass von optimaler, individueller Pflegeversorgung keine Rede sein kann. Sie beschreibt die Odyssee durch Ämter und Formulare, Prozedere, wenn ein Pflegebett oder eine Toilettensitzerhöhung beantragt werden muss – was niemand zur Verschönerung der Wohnung tun wird. Dass durch fehlende Hilfen Folgeschäden vom Wundliegen beim Gepflegten bis zu Rückenproblemen bei dem pflegenden Angehörigen entstehen, wird in Kauf genommen. „Ticktack, die Zeit läuft“, stellt Christine Schmidt fest, der Pflegehaushalt wurschtele derweil vor sich hin. Anträge müssen ausgefüllt, kopiert, Ämter besucht, es muss eingekauft werden, immer mit schlechtem Gewissen, wenn der Angehörige nicht in Obhut ist. Viele gut gemeinte Angebote zur Entlastung der pflegenden Angehörigen scheitern daran, dass die ambulanten Dienste nicht dann zur Verfügung stehen, wenn man gewöhnlich ins Kino oder Theater geht. Die Leistungen von Nachbarn und Familienangehörigen, die der Pflegebedürftige kennt, dürfen für solche „niedrigschwelligen“ Angebote nicht in Anspruch genommen bzw. nicht abgerechnet werden – warum eigentlich nicht? Christine Schmidt wirft solche Fragen auf und beschreibt anschaulich, welche Entlastung eine Tagespflege bringt – aber auch welche zusätzlichen Kosten anfallen. Im Gesetz nicht erwähnt werden die „Hotel- und Investitionskosten“ für  Unterkunft, Verpflegung und die investiven Kosten, die privat getragen werden müssen, durchschnittlich 15 Euro/ Tag. Das Angebot der Tagespflege wird daher nur zögerlich, oft nur an einem Tag pro Woche genutzt. Den Leser begleiten Herta und Herbert, der einen Schlaganfall erlitten hat, durch das Buch. Christine Schmidt schildert, was ihnen widerfährt: „Wenn Herbert die Pflegestufe II erreichen sollte, dann stünden Herta 1040 EUR teilstationäre Pflege = Tagespflege zur Verfügung… Also könnte Herbert durchschnittlich 15 Tage in der  Tagespflege versorgt werden. Die Hotel- und Investitionskosten lägen dann bei 225 EUR, die eigenfinanziert werden müssen. Das entspräche bei dem Modell noch nicht einmal der Pflegegeldsumme, die Herta erhalten würde (107,50 EUR). Nur, den restlichen Monat muss sie Herbert auch weiterpflegen – ehrenamtlich versteht sich. Dafür hat sie sich dann an den vorhergehenden 15 Tagen, die Herbert von Montag bis Freitag untergebracht war, meist in der Zeit von 8.00-16.00 Uhr erholen können. Grundsätzlich schon, aber es fragt Herta ja keiner, was für ein Stress es war, Herbert bis um 7.45 Uhr morgens gewaschen, rasiert, gekämmt, angezogen und noch ein Butterbrot zwischen die Zähne geklemmt zu haben. Sie konnte dann, wenn Herbert ers

Christine Schmidt: