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Inklusion in Schulen- Chaos für die Pflegeversorgung

Was macht den Reichtum einer Gesellschaft aus? Wirtschaftliche Macht? Politische Sicherheit? Soziale Sicherheit ? Oder kulturelle Vielfalt? Es ist von jedem etwas. Dennoch: Eine Gesellschaft besteht aus Menschen. Und sie sind es, die das Wohl einer Gesellschaft prägen – und zwar in allen wichtigen Lebensbereichen.

Um nichts anderes geht es bei Inklusion: Jeder Mensch erhält die Möglichkeit, sich vollständig und gleichberechtigt an allen gesellschaftlichen Prozessen zu beteiligen – und zwar von Anfang an und unabhängig von individuellen Fähigkeiten, ethnischer wie sozialer Herkunft, Geschlecht oder Alter.

Inklusion ist also kein Expertenthema. Es ist ein Thema, das die Zustimmung Aller erfordert und deshalb gesamtgesellschaftliche Bedeutung besitzt. Einen wichtigen Meilenstein markiert die UN-Behindertenrechtskonvention, die in Deutschland im Jahr 2009 in Kraft trat. Damit sind die Forderungen des internationalen Übereinkommens rechtlich verankert. Das reicht allerdings nicht aus. Um Denken und Handeln zu verändern, bedarf es weitaus mehr. Es muss auch jedem bewusst sein, wie wichtig Inklusion für das gesellschaftliche Miteinander ist. Sie kann nur dann gelingen, wenn möglichst viele Menschen erkennen, dass gelebte Inklusion den Alltag bereichert.

Zum Beispiel die Berliner Schulen nehmen nach den Worten von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) bundesweit einen Spitzenplatz beim Thema Inklusion ein. “Im letzten Schuljahr waren in Berlin erstmals mehr Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf im gemeinsamen Unterricht als in der Förderschule”, sagte Scheeres dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die Integrationsquote betrug demnach 52,1 Prozent. Der Bundesdurchschnitt liege dagegen bei 24 Prozent.

Doch entgegen der Un Konvention findet diese Inklusion nur sehr schwierig statt, wenn wir es nur mal auf den Schulbereich ausrichten. Es bestehen Befürchtungen von Eltern und Lehrern , dass behinderte und nicht-behinderte Kinder gemeinsam weniger lernen, wenn nicht mehr Lehrkräfte für den inklusiven Unterricht bereitgestellt würden.

Auch das ist ein großes gesellschaftliches Thema, denn es stellt sich die Frage, wie die Ausbildungsstrukturen für ” normale ” Lehrer bundesweit aufgestellt sind, mit dem Thema Umgang mit Behinderung.die Neuregelungen im Studium sind erst für das Jahr 2015 / 2016 vorgesehen.

Fest steht, dass es bundesweit kein festes Inklusionsmodell besteht. Alleine das macht unsicher.

Es werden pro Bundesland unterschiedliche Wege beschritten und ausprobiert. Teilweise wird die  Einrichtung von Beratungs- und Unterstützungszentren sowie einer breit angelegten Fortbildungsoffensive für die Lehrkräfte und Erzieherinnen und Erzieher angedacht, teilweise werden jegliche inklusive Gedanken vermieden.

Eine enge Kooperation der schulinternen Beratungsdienste ist erforderlich. Dazu gehören  Schulpsychologie, Sonderpädagogik, Schulentwicklungsberatung und Regionale Fortbildung damit es gewährleistet wird, dass neben neuen pädagogischen Konzepten ein breites, multiprofessionelles Beratungs- und Unterstützungssystem, in dem Sonderpädagogik, Schulpsychologie, Jugendhilfe, Jugendgesundheitsdienst, Kinder- und Jugendpsychiatrischer Dienst,  Kliniken, niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten, freie Träger und die Präventionsbeauftragten der Polizei kooperieren und ihre Maßnahmen zum Zwecke der Beratung von Lehrkräften, Schülern und Eltern abstimmen, eingebunden sind.

Soweit der Versuch, das Thema Inklusion erst einmal aus dem pädagogischen Rahmen zu betrachten. Aber Menschen mit einer Behinderung benötigen auch im Schulbereich pflegerische Handlungen. Nun wird alles schwieriger, weil die räumlichen Ausstattungen der meisten Schulen nicht für Rollstuhlfahrer und Co ausgestattet ist.

Es sind zahlreiche räumliche Barrieren vorhanden, wie Treppen, Stufen, zu niedrige Tische, zu enge Toilettentüren, im Sportbereich keine barrierefreie Ausstattung.

Für die Pflege gibt es keine Räume!  Es gibt aber dann Schüler in einer Normalschulen die  z.B. Einmalkatheterisiert werden müssen, die Spritzen oder Nahrung über einen Port oder eine PEG erhalten. Medikamentengabe ist ebenfalls teilweise erforderlich. Der Wunsch nach einer Schulkrankenschwester kann aufgrund des engen Budgets der Schulpolitik nicht erfolgen.

Diese Aufgaben sollen nun die Pädagogen ebenfalls mit übernehmen, mit viel Glück gibt es noch einen Einzelfallhelfer. Damit gerät der Pädagoge in ein wahrliches Dilemma. Es betrifft nicht nur seine Professionalität, aber wenn ein Fehler bei einer solchen Handlung entstehen sollte, wird es seine Haftung.

Ausflüge und Klassenfahrten können nicht unbedenklich durchgeführt werden. Der Einsatz von Sozialstationen ist aufgrund der nicht vorhandenen Räume ebenfalls nicht glücklich und würde in dem Schulbetrieb sehr viel Unruhe bringen, weil die Zeiten, wie sie vorgegeben sind, nicht eingehalten werden können.  Es gibt keine Materiallagerungsräume, somit stellt sich wiederholt die Frage, wie ist dieser Situation zu begegnen?

Auch dieser Bereich ist wichtig und wird in allen Diskussionen vermieden. Es ist aber keinen Pädagogen oder Schulhelfer zuzumuten, dass er neben dieser sehr schwierigen Konstellation der Unterrichtung der unterschiedlichen kognitiven und körperlichen Einschränkungen dieser notwendigen Pflegeversorgung ebenfalls noch offen und korrekt gegenüber stehen kann.

Es zeichnet eine demokratische Gesellschaft aus, dass diese Diskussion stattfindet und zu praktischen Resultaten führen, aber dazu gehört dann auch der Einbezug der Pflege in diesem Projekt der Inklusion.

Christine Statzkowski


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